Zum OAZ-Beitrag „Liebschütz: Viele Ideen für Berggipfel“ vom 28. Mai: Es sind jene Momente des Erlebens, die sich in glückserfüllte Augenblicke wandeln, wenn man diesen Berg für sich entdeckt hat. Ein Höhenzug, der sich durch seine unverfälschte Ursprünglichkeit trägt. Hier darf und soll Natur spürbar geatmet werden. Denn genau darin liegt seine Attraktivität. Ein Anziehungspunkt für jene, die gern Momente des Seins fühlen und mit der Natur im Einklang sein wollen. Wo findet man heute noch diese Ursprünglichkeit und bedarf es immer einer Veränderung? Einmal wissen, etwas bleibt! Wäre das nicht ein erstrebenswertes Ansinnen in dieser so schnelllebigen und veränderlichen Zeit?

Die Überbleibsel eines Kunstwerks, welches sich als vor sich hin rostende zerlegte Propangasflasche darstellt, ist in seiner Form dahingehend in Frage zu stellen, das das sinnentfremdende Geklapper diese einzigartige Stille zerfrisst beziehungsweise ganz zerstört. Wünschenswert ist die Aufstellung einer weiteren Bank mit Blickrichtung Wetterstation und gegebenenfalls eine zusätzliche Sitzecke, als Ruhepunkt zum Verweilen. Weitergedacht für eine schonende Belebung dieses Ortes könnten auch Veranstaltungen wie Lesungen oder Fotoausstellungen vorstellbar sein. Natürlich unter dem Aspekt, dies nicht im Übermaß anzubieten.

Zum Schluss mein Herzenswunsch und diesen spreche ich sicherlich auch im Namen vieler anderer aus. Dieser Berg sollte sein unverwechselbares, ursprüngliches Gesicht nicht verlieren. Die besondere Stille ist sein Geheimnis, welches den Reiz auf uns Menschen ausübt. Möge diese Klangfarbe nie verstummen.

Carmen Kais, Lonnewitz
Oschatzer Allgemeine Zeitung vom 08.06.2016

Ziel der Bürgerinitiative erreicht / Die meisten Kämpfer von damals sind heute im Rentenalter

Die Tage Anfang Dezember 2009 werden die Mitglieder des Vereins „Bürgerinitiative Rettet den Höhenzug Liebschützberg“ nie vergessen. Sie erfuhren, dass nach 19 Jahren Kampf, nach viel Zeit mit dem Studium von Gesetzen und Verträgen, nach Demonstrationen und Aktionen zur Abwendung des Gesteinsabbaus auf dem Liebschützer und dem Cavertitzer Berg die Gefahr gebannt war.

„Damals zog sich die Basalt AG zurück, bei ihr lagen unterdessen die Rechte zum Abbau. Aber das Kuriose daran ist, dass in deren Begründung dafür Argumente unserer Begründung gegen einen Abbau zu finden waren“, erinnert sich Udo Czapowski (81), Vorsitzender des Vereins. Er nennt nur drei Punkte: Landschaftspflege, Landschaftsbild, Umwelt.

Gemeinsam mit anderen Mitstreitern hat sich der damals in Klötitz und heute in Erfurt lebende Czapowski an diesem Abend zur Vereinsmitgliederversammlung getroffen, der Verein soll aufgelöst werden, denn das Vereinsziel ist erreicht und die meisten Mitglieder im Rentenalter und damit auch mehr so aktionsfähig. Erinnerungen werden wach an die Tage, als sich die Bürgerinitiative formierte. Es wird Rückschau gehalten. Die Schotter- und Kiesunion Leipzig-Hirschfeld hatte sich Anfang der 1990er Jahre den Gesteinsabbau um den Liebschützberg bergrechtlich gesichert, Gleiches kam für 98 Hektar bei Cavertitz hinzu. Anwohner nahmen die Pläne nicht hin, sie gründeten die Bürgerinitiative. Während des Planfeststellungsverfahrens reichten sie über 800 Einwände ein. Ende Oktober 2007 beantragte die Gesteinsfirma beim Sächsischen Oberbergamt in Freiberg eine Aussetzung des Verfahrens für zwei Jahre. Parallel dazu bemühte sich die Firma weiter um das Liebschützberger Abbaugebiet. Später verkaufte sie die Abbaurechte an die Basalt AG.

„Eigentlich hatten wir von der rechtlichen Seite kaum eine Chance auf Erfolg, aber wir konnten viel bewegen und so gewinnen.“ Das sei mit Hilfe vieler Menschen, Unternehmen und Vereine und auch den Beiträgen in der OAZ erreicht worden, so Czapowski. Die Politik habe dabei ebenso eine große Rolle gespielt. Er nennt die Namen Frank Kupfer und Manfred Kolbe, die viel mitbewirkt haben.

Der Pensionär erinnert sich aber auch daran, dass viele Landeigentümer anfangs dachten, dass ihnen die Schätze im Boden auch gehörten. Verkaufspreise für das Land von einer D-Mark pro Quadratmeter wurden angeboten. Doch das Abbauunternehmen hatte sich noch nach DDR-Recht den Abbau gesichert. Heute sind Kies und anderes Gestein grundeigene Bodenschätze. „Wir hatten als Gesteinsabbaugegner so anfangs auch allerhand zu erdulden“, blickt der Vorstand zurück. Das Erwachen bei ihnen habe dann aber nicht lange auf sich warten lassen und Mancher hätte sich der Bürgerinitiative dann angeschlossen.

Gemeinsam erinnert man sich an Teilerfolge auf dem langen Weg, wie etwa an Planfeststellungsverfahren, Klagen und Unterschriftensammlungen, Aktionen auf dem Berg. Die benötigte Rechtshilfe wurde mit Spenden und eingenommenen Geldern bei Veranstaltungen finanziert. Nun soll der Verein nach rechtlichen Bestimmungen „abgewickelt“ werden. Wehmut schwingt bei den Kämpfern für den Erhalt des Liebschützberges ebenso mit wie Freude über Erreichtes.

Text: Bärbel Schumann
Oschatzer Allgemeine Zeitung vom 02.06.2016

Kommentar: Berg ist gerettet – neue Ziele warten

Mit der Auflösung der Bürgerinitiative „Rettet den Höhenzug Liebschützberg“ endet ein Kapitel der Geschichte des Liebschützbergs, das auch in der OAZ viele Jahre fortgeschrieben wurde. Nun haben die Mitstreiter um Udo Czapowski sich dazu entschieden, dem Engagement gegen den Gesteinsabbau und für den Liebschützberg ein Ende zu setzen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand und sind nachvollziehbar. Die Zahl der Aktiven nahm mehr und mehr ab, die kleine Gruppe hatte zuletzt einen beängstigend relativ hohen Altersdurchschnitt. So wurde bereits die alljährliche Holzsammelaktion für das Osterfeuer zu einem Kraftakt für die Beteiligten. Nicht zufällig nimmt parallel zum Ende der Bürgerinitiative eine neue Bewegung aus den Reihen der Bürger Fahrt auf. Die von Thomas Barth ins Leben gerufene Idee einer „Interessengemeinschaft Liebschützberg“ hat das Zeug dazu, der legitime Nachfolger der Kämpfer um Udo Czapowski zu werden. Nun bleibt nur zu hoffen, dass sich hier genügend junge Menschen einbringen, die der Geschichte des Liebschützbergs noch viele neue Kapitel hinzufügen wollen.

Text: Christian Kunze
Oschatzer Allgemeine Zeitung vom 02.06.2016