Der Liebschützberg bei Oschatz ist mit seinen 198 Metern Höhe Teil eines landschaftsprägenden Höhenzugs im Landkreis Nordsachsen. Er liegt in einem Landschaftsschutzgebiet, und mit dem Berg identifizieren sich viele Menschen. Er ist beliebt als Naherholungsziel mit weiter Aussicht in alle vier Himmelsrichtungen. Die umliegenden Dörfer bilden seit mehr als 20 Jahren die Gemeinde "Liebschützberg". Das zeigt den Stellenwert dieser Erhebung, auf der von Ferne eine alte, im Jahre 2013 restaurierte Bockwindmühle mit einem frei stehenden Glockenturm grüßt. Direkt über den Höhenzug verläuft der Ökumenische Pilgerweg als Teil der Alten Salzstraße, die in früheren Jahrhunderten intensiv als Handelsweg genutzt wurde. Von 1991 bis 2009 war der Liebschützberg vom Abbau durch einen geplanten Steinbruch bedroht. Diese Gefahr konnte durch massiven Protest, den maßgeblich die Anfang der 1990er Jahre gegründete Bürgerinitiative «Rettet den Höhenzug Liebschützberg» e.V. organisierte, abgewendet werden. Seither ist es etwas stiller um den Berg geworden, nur der jährliche Himmelfahrtsgottesdienst ist aus Zeiten des Widerstands gegen den Steinbruch übriggeblieben.

Doch seit kurzem gibt eine neue Initiative, die sich um die Gestaltung dieses Landstriches kümmert. Engagierte Bürger haben sich am 8. Juni 2016 zur «Interessengemeinschaft Liebschützberg» zusammengeschlossen. Gemeinsam wollen sie wieder Veranstaltungen durchführen und das Areal neben der Windmühle beleben. Ziel ist es, auf dem Gipfel des Berges einen Ort der Ruhe, Erholung und Begegnung zu schaffen und die Landschaft zurückhaltend und naturnah zu gestalten.

Schon nach einem Jahr konnte die Interessengemeinschaft das erste Projekt verwirklichen. Am Deutschen Mühlentag 2017, der wie immer Pfingstmontag stattfand, wurde feierlich eine neue Wetterschutzhütte eingeweiht. Der Liebschützberg ist Teil eines langgestreckten Bergrückens und liegt sehr exponiert. Auf dem Kamm existieren keine natürlichen Unterstellmöglichkeiten. Deshalb wird die neue Hütte künftig Pilgern und Wanderern bei schlechtem Wetter Schutz bieten. Angeschlossen ist ein umgestalteter Grillpatz mit Bänken aus Holz und Naturstein, der öffentlich zugänglich ist.

Die Einweihung zu Pfingsten 2017 zeigte, wie sehr der Liebschützberg den Menschen der näheren Umgebung am Herzen liegt. Sie erschienen äußerst zahlreich zur Eröffnung. Dabei griff die Interessengemeinschaft auch eine frühere Tradition wieder auf, denn nach mehreren Jahren Pause gab es eine Neuauflage des Mühlensingens, bei dem unter freiem Himmel deutsche Volkslieder gesungen wurden.

In der nächsten Zeit soll der Liebschützberg nach Vorstellung der Interessengemeinschaft weiter naturnah und wanderfreundlich gestaltet werden. Es sind keine aufwändigen Großevents geplant, sondern eingebettet in die Landschaft soll es zu bestimmten Tagen im Jahr die Möglichkeit geben, sich an der Windmühle bei familiär ausgerichteten Veranstaltungen zu treffen. Der Mühlentag zu Pfingsten 2017 war ein schöner Auftakt dazu. Dieser Tag könnte eine neue Tradition begründen, die den Gottesdienst unter freiem Himmel zu Christi Himmelfahrt auf volkstümliche Weise ergänzt.

Da sich die frühere Bürgerinitiative, deren Proteste erfolgreich waren und die ihr Ziel erreicht hat, in Kürze auflösen wird, übernimmt nun die deutlich verjüngte Interessengemeinschaft den Staffelstab. Sie wird sich gemeinsam mit dem Heimatverein Klötitz um den Liebschützberg kümmern und die bewährte Arbeit früherer Jahre fortsetzen. In der Bevölkerung gibt es schon jetzt eine breite Unterstützung dafür.

Thomas Barth, Cavertitz Gründungsmitglied der Interessengemeinschaft Liebschützberg

Weitere Informationen zu den Aktivitäten der Interessengemeinschaft Liebschützberg gibt es auf der neuen Internetseite www.der-liebschuetzberg.de und bei Thomas Barth unter Telefonnummer (034363) 50675.

Landesverein Sächsischer Heimatschutz Mitteilungen 2/2017 (*.pdf)

 

Noch vor wenigen Jahren stand der Gipfel des Liebschützberges voller Kunstwerke. Vandalismus und der Zahn der Zeit ließen deren Zahl schrumpfen. Die IG Liebschützberg bemüht sich seit ihrer Gründung im vergangenen Jahr darum, den Berg auf angemessene Art wiederzubeleben. Nach dem Rastplatz ist nun der Wegweiser für Pilger und andere Wanderer fertig.

Nachdem Thomas Barth im Mai vergangenen Jahres den Anstoß gab, sich mit der Neugestaltung des Gipfels des Liebschützberges zu beschäftigen, kann die daraufhin gegründete Interessengemeinschaft (IG) ein weiteres Ergebnis ihrer Arbeit vorweisen. Seit dieser Woche ist der neue Wegweiser am Jakobsweg fertig. Eines der Schilder weist auf den unter Regie der IG entstandenen Rastplatz mit Schutzhütte und kleiner Feuerstelle hin.

Bauprojekt fand viele Unterstützer

In den Wegweiser hat Bernd Hennig viel Zeit und Arbeit investiert. Der Laaser legt jedoch großen Wert darauf, dass er viel Unterstützung erhalten habe, ohne die nichts gegangen wäre. „David Pfennig hat Robinienholz zur Verfügung gestellt, die Gemeinde Liebschützberg die Fundamentarbeiten ausgeführt und Helmut Rudolph die Schilder geliefert“, erläutert der 70-Jährige. Dabei habe ihn der Zimmerer damit überrascht, dass er gleich noch die Orte und Entfernungsangaben ins Holz gefräst hat.

Orientierung auf nahe Ziele

„Die über 2000 Kilometer nach Santiago de Compostela haben wir ausgelassen“, sagt Bernd Hennig. Stattdessen habe man sich auf die näheren Ziele beschränkt. Wichtig sei, dass man unterwegs auch mal sehe, dass man auf dem richtigen Weg sei, meint Bodo Schirrmeister, der sich nach einer Rast am Gipfel wieder auf den Weg nach Leipzig begibt. Diese Orientierung gibt auf dem Liebschützberg neben den Schildern auch die von Bernd Hennig angefertigte Steinplatte mit der Jakobsmuschel drauf. Bodo Schirrmeister erhielt am Montag als erster die Gelegenheit, sich in jenes Buch einzutragen, das in einem im Sockel eingelassenen Fach hinterlegt ist. Der Königsbrücker hatte eine Woche zuvor in Görlitz seine Pilgerreise begonnen, die ihn nach Leipzig führen soll. Das Buch hatte übrigens Bürgermeister David Schmidt (parteilos) zur Verfügung gestellt.

Demnächst Stempel vor Ort

„In diesem Fach sollen künftig auch ein Stempel und ein Stempelkissen aufbewahrt werden“, erläutert Bernd Hennig. Er habe während seiner Arbeit hier oben viele Leute getroffen und sei mit ihnen ins Gespräch gekommen. „Es ist schon bemerkenswert, wie belebt der Berg ist“, sagt der Ruheständler. Wie zur Bestätigung trifft kurz nach dem Pilger aus Königsbrück eine Familie aus Treptitz auf dem Berg ein. Für deren fünfjährigen Enkelsohn Nicklas aus Leipzig ist ein Aufenthalt bei den Großeltern nur perfekt, wenn dabei auch die Windmühle besucht wird.

Sein Plan sei es gewesen, im zeitigen Frühjahr mit den Mauererarbeiten für den Sockel des Wegweisers zu beginnen, erläutert der Bernd Hennig. Da der Winter noch einen Nachschlag verteilte, fiel der mögliche Arbeitsbeginn auf die Zeit, in der auch im eigenen Garten die meiste Arbeit anstand. „Zum Glück stehen wir ja nicht unter Zeitdruck“, betont der Laaser. Man müsse ja im Ehrenamt auch nicht bei miesem Wetter auf dem Berg arbeiten.

Seine Sorgen, dass eine frisch gemauerte Schicht aus Steinen von den Feldern des Berges am nächsten Arbeitstag verstreut neben dem Sockel liegen könnte, erwiesen sich als grundlos. Natürlich hofft Bernd Hennig, dass auch künftig die Werke der IG Liebschützberg vom Vandalismus verschont bleiben.

Text und Foto: Axel Kaminski
Oschatzer Allgemeine Zeitung vom 29.07.2017